Chicago. Der Michigansee. Und die Freude an der Reduktion.
Es gibt Reisen, die verändern den Blick auf eine Stadt. Und dann gibt es Reisen, die den Blick auf die eigenen Produkte verändern. Ich spreche hier von unserer WONNEVOLLL-Range, die immer weiter wächst. In Chicago erlebe ich gerade beides.
Mein Mann Henk und ich wohnen für einige Wochen im Constellation Building direkt am Lincoln Park. Unser Apartment liegt im 19. Stock. Morgens öffne ich die Vorhänge und schaue über die Baumkronen des Parks bis hinaus auf den Michigansee. Dieses Licht ist anders als das in unserer Heimatstadt Hamburg – einerseits noch klarer und kühler und gleichzeitig so unglaublich weich wie in Italien am Lago Maggiore.
Großstadt und Naturerlebnis: Schwimmen vor Chicagos Skyline
Der Blick ist so unglaublich schön, dass es uns schon um 6 Uhr früh aus dem Haus treibt. Unser Weg führt durch den Lincoln Park direkt gegenüber, vorbei an alten Bäumen, Eichhörnchen, Joggern und Hundebesitzern, die sich hier offenbar alle kennen. Nach wenigen Minuten sind wir am See. Er ist so groß, wird von so vielen Bundesstaaten umgeben, dass er eigentlich ein Meer ist. Vor allem der breite Sandstrand nährt diese Illusion.
Dann gehen wir schwimmen. Das Panorama der gigantischen Skyline Chicagos – eine der beeindruckendsten überhaupt – vor unseren Augen, während wir hinausschwimmen, ist erhebend. Das Auge wandert vom eleganten Wrigley Building mit seiner schneeweißen Fassade über den Tribune Tower mit seinen gotischen Türmen, als wäre er direkt aus Europa hierher versetzt worden. Etwas weiter schimmert das Carbide & Carbon Building in dunklem Grün und Gold – ein Art-Déco-Juwel, das einer Champagnerflasche nachempfunden ist.
Dahinter wachsen die modernen Hochhäuser aus Glas in den Himmel. Vergangenheit und Zukunft verschmelzen zu einer ebenso kontrastreichen wie harmonischen Familie aus Skyskrapern. Die Atmosphäre, das Leuchten der Stadt und ihre urbane Großartigkeit, die in so einem Kontrast zu dem Naturerlebnis steht, macht mich jeden morgen sprachlos vor Glück. Während ich schwimme und auf die Skyline schaue, überträgt sich deren gebündelte Energie auf mich. Sie explodiert förmlich in meinen Zellen, verwandelt sich in pure Vitalität und Lebensfreude.
Reisen verlangt nach Kleidung, die mit dem Leben schwingt
Und das bringt mich zurück zu meinem Thema: Kleidung. In diesen rauschhaft schönen Tagen, gestrickt mit solchen besonderen Momenten erlebe ich, wie wichtig das richtige Outfit auf Reisen eigentlich ist. Nicht Mode sondern Be-Kleidung, die mit dem Leben und seinen Bedürfnissen mitschwingt, statt es zu behindern.
Evas Prototyp unseres ersten Seidenjerseys ist so ein Teil. Es passt perfekt zu meinem derzeitigen mobilen Lebensstil: Chic, unkompliziert, dabei edel und vielseitig. Der Einteiler entstand im Zuge unserer Zusammenarbeit mit dem Yogalabel Curare Yogawear. Gemeinsam mit den Inhabern Anke und Jens stellten wir uns die Frage, wie man aus funktionaler Yogawear plus unseren Seidentüchern, Krawatten und Bowies straßentaugliche Outfits entwickelt, die weit über das Studio hinaus funktioniert. Kleidung also, mit der man morgens zum Yogakurs (oder zum Schwimmen) geht, anschließend einen Kaffee trinken kann, durch die Stadt spaziert oder spontan in eine Galerie verschwindet, ohne sich umziehen zu müssen.
Diese Idee griffen wir auf: Warum nicht einen Einteiler aus edlem Seidenjersey entwickeln? Eva hat ihn innerhalb weniger Wochen gemeinsam mit unserem Hersteller entwickelt. Dank ihrer Expertise in punkto Passform hat sie nahezu alle Herausforderungen einer solchen Schnittführung perfekt gelöst und einen Overall entwickelt, der für viele Silhouetten funktioniert. Ein breites, elastisches Bündchen in Verbindung mit einem langen, fließenden Oberteil ermöglicht die Anpassung der Beinlänge. Zudem hilft es, die kritische Partie um Gesäß und Oberschenkel individuell zu umspielen.
Seit Beginn unserer USA-Reise trage ich den Prototypen unseres Edeljumpers fast täglich um herauszufinden, was wir noch verbessern können. Produkttests finden nämlich nicht am Schreibtisch statt, sondern beim täglichen Gebrauch. Beim Laufen, Sitzen, Kofferpacken, bei jeder Handwäsche im Waschbecken. Diese Reise ist der ultimative Stresstest.
Perfekter Einteiler mit wenig Verbesserungsbedarf
Mein Urteil nach einer Woche fällt überraschend eindeutig aus. Der Stoff fühlt sich außergewöhnlich hochwertig an. Er ist fest, gleichzeitig fließend und, ganz wichtig: er knittert nicht. Er ist einerseits sehr weich, hat aber genügend Substanz, um in allen Situationen bestehen zu können – in der Freizeit ebenso wie auf offiziellen Veranstaltungen. Nach der Handwäsche trocknet er zwar nicht so schnell wie eine Kunstfaser, doch am nächsten Morgen ist er in der Regel trocken. Nur eine Kleinigkeit würde ich verändern: Rund um das Gesäß dürfte der Schnitt insgesamt etwas großzügiger ausfallen. Aber genau deshalb liebe ich Prototypen. Sie erzählen einem die Wahrheit.
Bis zur verbesserten Variante übernimmt mein Schneewittchen-Carré eine Aufgabe, die wir ihm nicht wirklich zugedacht hatten. Es formt eine schöne Silhouette. Indem ich es locker um die Taille binde, verschwindet der etwas zu hoch sitzende Gummizug und umspielt locker die Hüften. Das Outfit wirkt plötzlich sehr lässig, fast elegant. Irgendwie italienisch, vielleicht auch französisch, auf jeden Fall inzwischen auch amerikanisch.
Das Schönste für mich an unseren Carrés jedoch ist: Sie verändern nicht nur ein Outfit positiv, sondern auch meine Stimmung. Mittlerweile ist diese Kombination aus schlichten Einteilern (habe insgesamt fünf) und einem unserer drei Tücher zu meinem täglichen Reiseoutfit geworden. Den Seidenjumper hätte ich gern in mehreren Farben, damit ich sie auch zu den anderen Märchentüchern Dornröschen und Sterntaler tragen kann. Auch über andere Kragenlösungen oder Beinformen sollten wir nachdenken. Der Stoff darf bleiben.
WONNEVOLLL: Accessoires als Teil der eigenen Geschichte
Mit dem Jumper aus Seidenjersey haben wir unsere Philosophie erneut zementiert: WONNEVOLLL steht für Kleidung und Accessoires, die mitreisen und Erinnerungen sammeln. So werden sie irgendwann selbst zum Teil der eigenen Geschichte. Das Schneewittchen-Carré vor allem, ist inzwischen zu einem Teil meines Lebens geworden. Zurzeit wartet es morgens auf dem Stuhl neben dem Bett in Apartment 19D, es folgt mir an den Strand zum Schwimmen und es schützt meine Schultern am Abend, wenn der Wind über den Michigansee zieht. Jeden schlichten Einteiler verwandelt es in ein komplettes Outfit. In dieser Reduktion liegt für mich mittlerweile der wahre Luxus. Nicht immer etwas Neues besitzen zu müssen, sondern lieber wenige Dinge zu haben, die ich immer wieder mit derselben Freude trage.